NETZBOOSTER KUPFERZELL

NETZBOOSTER KUPFERZELL

Im Zuge der Energiewende muss immer mehr Strom aus Windparks im Norden zu den Verbrauchszentren im Süden transportiert werden. Dabei stößt das Stromnetz an seine Kapazitätsgrenzen. Der Netzbooster dient als Sicherheitspuffer und kommt bei Störfällen zum Einsatz.

So können die bestehenden Leitungen bereits ohne aktive Energieeinspeisung höher ausgelastet werden, bevor das Netz ausgebaut werden muss. Gleichzeitig können Kosten für netzbedingte Eingriffe reduziert und damit Privathaushalte sowie Unternehmen entlastet werden.

Wie ist der Netzbooster aufgebaut?

Der Netzbooster in Kupferzell soll in einer modularen Bauweise entstehen. Die Anlage wird aus einem zentralen Betriebsgebäude und mehreren Containern bestehen, in denen sich Batterien befinden. Damit sich die Anlage gut in das Landschaftsbild einfügt, wird gemeinsam mit Umweltplanern ein Konzept hierfür erarbeitet.

Vorläufige Visualisierung des Netzbooster-Anlagendesigns aus der Vogelperspektive

Wie läuft die Genehmigung?

Bevor mit dem Bau begonnen werden kann, muss das Projekt ein mehrstufiges Genehmigungsverfahren durchlaufen – das Planfeststellungsverfahren. Zu Beginn des Verfahrens stellt TransnetBW einen Antrag auf Planfeststellung beim Regierungspräsidium Stuttgart als zuständige Genehmigungsbehörde. Dieser Antrag enthält die vollständigen Unterlagen und Gutachten, die die Planung des Netzboosters verständlich und ausführlich erläutern und begründen.  Nach Feststellung der Vollständigkeit durch die Behörde werden die Unterlagen im Anschluss in der Gemeinde Kupferzell öffentlich zur Einsicht ausgelegt und können auf der Internetseite des RP Stuttgart eingesehen werden.

Betroffene Bürgerinnen und Bürger und Träger öffentlicher Belange (TöB) haben dann die Möglichkeit, Einwendungen bzw. Stellungnahmen einzureichen. Am Ende des Verfahrens steht der Planfeststellungsbeschluss, mit dem das Regierungspräsidium Stuttgart über die Zulässigkeit der Planungen entscheidet und gegebenenfalls die Genehmigung zum Bau der Anlage erteilt. TransnetBW wird voraussichtlich Frühjahr 2023 den Antrag auf Planfeststellung bei dem RP Stuttgart stellen.  

INFOVERANSTALTUNG AM 20.07.2022 IN KUPFERZELL

Am 20. Juli 2022 fand in Kupferzell eine öffentliche Infoveranstaltung zum Netzbooster statt. Eingeladen hatte die Gemeinde Kupferzell zusammen mit dem Arbeitskreis Netzbooster. Als Vorhabenträgerin bot TransnetBW den rund 60 interessierten Bürgerinnen und Bürgern Einblicke in das Projekt und reichlich Anschauungsmaterial.

An drei Ständen des Übertragungsnetzbetreibers konnten sich die Interessierten rund um Anlagendesign und Schutzkonzept, Standortfindungsprozess und Genehmigungsverfahren sowie die finale Antragsfläche informieren und Fragen stellen.

Gleichzeitig gingen unabhängige Fachexperten auf die Funktionsweise und Notwendigkeit des Netzboosters sowie die verwendete Batterietechnik und die Sicherheit der Anlage ein.

Weiteren Raum für Fragen bot die anschließende Plenardiskussion, in der sich neben dem Projektteam auch Geschäftsführer Dr. Werner Götz Zeit für die Beantwortung noch offener Fragen nahm.  Die Mitglieder des Arbeitskreises blickten auf den intensiven Austausch der vergangenen zwei Jahre zurück. An dem vom Forum Energiedialog moderierten Format beteiligten sich neben Gemeinderat, Bürgermeister Spieles und TransnetBW auch die Bürgerinitiative „Ein Herz für Hohenlohe“.

Inhalte der Infoveranstaltung

Auf einen Blick
Innovative Lösung für eine sichere Stromversorgung
Standortauswahl Kupferzell
Prozess der Standortfindung um Kupferzell
Antragsfläche zur Errichtung der Anlage
Umfassendes Schutzkonzept für den sicheren Betrieb

FAQs zum Projekt

Die Aufnahmefähigkeit des Stromnetzes ist durch die thermische Übertragungskapazität der Leitungsstrecken begrenzt. Wird beispielsweise im Norden Deutschlands mehr Windstrom erzeugt als das Stromnetz an dieser Stelle aufnehmen kann, so kommt es dort zu einem gefährlichen „Stromstau“. Das Netz reicht für den Abtransport der Energie nicht aus, also besteht hier ein Netzengpass.

Kriterien für die Standortwahl sind:

  • Wirkung auf Stromkreise mit Überlastungen im n-1-Fall
  • Häufigkeit der Überlastung der Stromkreise im n-1-Fall
  • Häufigkeit der vollständigen Vermeidung von Überlastungen im n-1-Fall
  • Kraftwerke müssen zur Ablösung des Netzboosters nach einer Stunde zur Verfügung stehen, die ebenfalls auf die betrachteten Leistungen wirken

Die von Norden kommenden Leitungen aus Grafenrheinfeld in Richtung Kupferzell sind schon heute stark ausgelastet, insbesondere bei hoher Stromeinspeisung durch Windenergieanlagen in Norddeutschland. Diese Belastung wird in den kommenden Jahren weiter steigen. Unter mehreren untersuchten Standorten hat sich ein Standort am Netzverknüpfungspunkt Kupferzell aus netzplanerischer Sicht als am geeignetsten erwiesen. Der Netzbooster kann hier dezidiert einem Engpass zugordnet werden und deshalb eine besonders hohe Wirksamkeit entfalten.

Sehr hohe Leitungsauslastungen treten insbesondere auf der regelzonenübergreifenden Leitung zwischen Tennet und TransnetBW auf. Aus diesem Grund ist an diesen Standorten ein Netzbooster energiewirtschaftlich besonders sinnvoll, um die hohen Auslastungen zu reduzieren.

Im Rahmen der Vorplanung wurden die Standorte Hüffenhardt, Grafenrheinfeld, Kupferzell und Großgartach untersucht. Die Leitungen Kupferzell-Grafenrheinfeld sowie Großgartach-Grafenrheinfeld zeigten dabei die höchste Auslastung. Es stellte sich heraus, dass ein Netzbooster am Standort Kupferzell die effektivste Entlastung auf diesen hoch ausgelasteten Leitungen bewirkt und gleichzeitig die meisten Engpasssituationen „heilen“ kann.

Anstelle des innovativen Netzbooster-Konzepts steht der Bau zusätzlicher Stromleitungen (als teurere klassische Maßnahmen des Netzausbaus), präventive Redispatch-Maßnahmen oder der Bau von Kraftwerken zur Verfügung.