Umspannwerk Pulverdingen

Erweiterung und Erneuerung im laufenden Betrieb

Seit Langem trägt das Umspannwerk in Pulverdingen zur sicheren Stromversorgung im Großraum Stuttgart bei. Damit das auch in Zukunft so bleibt, investiert TransnetBW in die Erweiterung und Erneuerung des Standortes.

Zu den Maßnahmen gehören die archäologischen Grabungen, die Geländeregulierung, die Erneuerung und Erweiterung der 380-kV-Schaltanlage sowie die Neueinführung der betroffenen 380-kV-Freileitungen in die erweiterte 380-kV-Schaltanlage.

Die Erneuerung und Erweiterung der 380-kV-Schaltanlage im Umspannwerk Pulverdingen umfasst unter anderem die Errichtung einer freiluftisolierten Schaltanlage mit 26 Schaltfeldern sowie das Aufstellen von zwei Phasenschiebertransformatoren, um den eingespeisten Strom und den Lastfluss zielgerichtet zu steuern. Daneben werden fünf Transformatoren, eine Kompensationsdrosselspule und eine Kompensationskondensator-Anlage für die Blindleistungskompensation errichtet. Für die Leitungseinführung sind teils mehrjährige Freileitungsprovisorien notwendig, die einen sicheren Betrieb der Schaltanlage während der Bauzeit gewährleisten.

Das Gelände vor und nach dem Umbau

Lageplan vor dem Umbau
Lageplan vor dem Umbau
Lageplan nach dem Umbau
Lageplan nach dem Umbau

Knotenpunkte im Stromnetz

Umspannwerke verbinden unterschiedliche Spannungsebenen und „transformieren“ die Spannungen von einer höheren auf eine niedrigere Ebene und umgekehrt. Sie sind also die Knotenpunkte für die Energieverteilung in den Netzen.

Darüber hinaus verteilen die Leitungen im Umspannwerk den Strom in der Region oder speisen ihn ins Übertragungsnetz ein. Letzteres ist zum Beispiel dann notwendig, wenn Photovoltaikanlagen an sonnigen Tagen viel erneuerbare Energie produzieren, der Verbrauch aber niedrig ist.

Spatenstich am 21. Juni 2023

Spatenstich in Pulverdingen für das zukünftig größte Umspannwerk von
TransnetBW

/ Umspannwerke fit machen für die Energiewende
/ Modernisierung gewährleistet Versorgungssicherheit
/ Baumaßnahmen im laufenden Betrieb

Stuttgart. Mit einem symbolischen Spatenstich sind gestern die Baumaßnahmen zur Erneuerung
und Erweiterung des Umspannwerks Pulverdingen gestartet. Nach Abschluss der Arbeiten
voraussichtlich im Jahr 2033 handelt es sich um das größte Umspannwerk von TransnetBW.


Herausforderungen eines klimaneutralen Stromsystems

Im Zuge der Energiewende wird sich der Stromverbrauch in Deutschland bis 2045 im Vergleich
zu heute auf über 1.000 TWh verdoppeln. Parallel dazu wird sich die installierte Leistung aus
erneuerbaren Energien verfünffachen. Zukünftig verteilt das Stromnetz nicht mehr
ausschließlich, sondern nimmt auch Strom auf. Erzeugen zum Beispiel an sonnigen Tagen die
Photovoltaik-Anlagen privater Haushalte mehr Strom als gerade vor Ort verbraucht wird, muss
dieser Strom ins Netz aufgenommen werden. Hinzu kommt, dass das Stromnetz mit mehr
Flexibilitäten umgehen muss. Außerdem übernehmen Umspannwerke zunehmend Aufgaben
großer Kraftwerke, wie beispielsweise die Bereitstellung von Blindleistung. Um all den neuen
Anforderungen gerecht zu werden, müssen bestehende Umspannwerke modernisiert und
erweitert werden. Die Notwendigkeit einer Modernisierung des Standorts Pulverdingen wurde
bereits 2019 durch die Bundesnetzagentur bestätigt.


Versorgungssicherheit steht an erster Stelle

Das Umspannwerk Pulverdingen trägt maßgeblich zur Versorgungssicherheit des Großraums
Stuttgart und Ludwigsburg bei. Damit das so bleibt, investiert TransnetBW hier jetzt in moderne
Technik und zusätzliche Komponenten zur Netzstabilisierung. Der Vorsitzende der TransnetBWGeschäftsführung,
Dr. Werner Götz, zeigt sich anlässlich der Feierlichkeiten auf der Baustelle
erfreut: „Mit der Erweiterung des Umspannwerks Pulverdingen bringen wir die Energiewende
ein gehöriges Stück voran. Bereits heute gehört der Standort Pulverdingen zu den wichtigsten

Umspannwerken im Netz von TransnetBW. Dieser zentrale Kontenpunkt in unserer Regelzone
wird künftig unser größtes Umspannwerk sein.“
Die Erneuerung umfasst eine freiluftisolierte Schaltanlage mit 26 Schaltfeldern, zwei 380 kV/380
kV-Phasenschiebertransformatoren und fünf 380 kV/110-kV-Transformatoren mit
Kabelverbindungen zu den zugehörigen 110 kV-Schaltfeldern. Zusätzlich werden neue
Stabilisierungskomponenten eingerichtet: eine 380 kV-Kompensationsdrosselspule und eine
380 kV-Kompensationskondensator-Anlage.


Großes Bauvorhaben im laufenden Betrieb

Für dieses aufwendige Vorhaben ist mit einer Bauzeit von zehn Jahren zu rechnen. Die
Geländeregulierung zur Herstellung einer ebenen Baustellenfläche wurde bereits
abgeschlossen. Christopher Kunstmann, zuständiger TransnetBW-Projektleiter, erklärt: „Eine
besondere Herausforderung ist, dass die Maßnahmen während des laufenden Betriebs
durchgeführt werden. Die Versorgungssicherheit hat dabei höchste Priorität. Mittels Provisorien
und intelligenter Schaltungsplanung werden wir die Versorgungssicherheit auch während der
Modernisierungsarbeiten jederzeit gewährleisten.“

v.l.n.r. Marco Schöne (TransnetBW), Christopher Kunstmann (TransnetBW), Stefan Hartge (GE),
Prof. Dr. Frank Adler (Landratsamt Ludwigsburg), Dr. Werner Götz (TransnetBW), Jens Hübner
(Stadt Markgröningen), Olaf Jungnitsch (GE), Alexander Streblow (GE).

Impression von der Baustelle (Januar 2023)

FAQs zum Projekt

Die TransnetBW GmbH betreibt das Strom-Übertragungsnetz in Baden-Württemberg. Mit diesem Transportnetz sichert sie die Stromversorgung in der Region, in Deutschland und in Europa. Sie steuert und kontrolliert die Energieflüsse im Netz, sorgt für Instandhaltung, Netzplanung und Netzentwicklung. Zahlreiche Stromhändler, Kraftwerks- und Verteilnetzbetreiber im In- und Ausland zählen zu ihren Kunden und Partnern. Vertiefte Informationen finden Sie hier.

In Deutschland gibt es mit Amprion, 50Hertz und TenneT drei weitere Übertragungsnetzbetreiber, die in unterschiedlichen Teilen Deutschlands für das Übertragungsnetz zuständig sind. Gemeinsam mit den angrenzenden Verbundpartnern in Deutschland, Frankreich, Österreich und der Schweiz werden auch die für den grenzübergreifenden Stromtransport erforderlichen Übertragungskapazitäten zur Verfügung gestellt. So leistet das Übertragungsnetz einen wichtigen Beitrag für den deutschen und den europäischen Stromtransport.

Die Stromnetz-Infrastruktur in Deutschland besteht aus dem Übertragungsnetz und den Verteilnetzen. Sie lässt sich mit dem Straßennetz vergleichen: Das Übertragungsnetz dient als Autobahn. Es transportiert den Strom über weite Strecken mit einer Spannung von 220 oder 380 Kilovolt (kV), der sogenannten Höchstspannung. Die Verteilnetze sind die Landstraßen. Sie verteilen den Strom mit einer Hochspannung von 110 Kilovolt. Das Mittel- und Niederspannungsnetz wiederum transportiert den Strom mit Spannungen von 10, 20 oder 30 kV in die Kommunen weiter. Bevor die Stromleitungen die Steckdosen erreichen, wird der Strom auf 400 Volt beziehungsweise 230 Volt gedrosselt.

Die Umspannwerke sind die Knotenpunkte im Übertragungsnetz. Hier werden analog zum Straßennetz Autobahnen, Landstraßen und Zubringer unserer Energieversorgung miteinander verknüpft.

Etwa 80 Transformatoren verbinden das Übertragungsnetz der TransnetBW mit den Verteilnetzen in Baden-Württemberg. Über diese Zugänge werden international bedeutende Industrieunternehmen und mehr als 11 Millionen Menschen in Baden-Württemberg mit Strom versorgt.

Die Strominfrastruktur steht vor großen Herausforderungen. Erstens verlagert sich die Stromerzeugung räumlich. Ökostrom wird überwiegend in Küstennähe fern der Verbrauchszentren erzeugt. Deshalb muss Strom über weite Strecken transportiert werden. Zweitens steigt der Strombedarf enorm, weil viele Sektoren mittels Strom dekarbonisiert werden sollen. Bis 2045 ist mit einer Verdopplung des heutigen Bruttostromverbrauchs zu rechnen. Unser Stromnetz – Leitungen und Anlagen – muss also dringend fit gemacht werden, um mehr Strom über weitere Strecken zu transportieren.

Wie alle Netzausbau-Projekte der TransnetBW folgt die Erneuerung und Erweiterung des Umspannwerks Pulverdingen im laufenden Betrieb dem NOVA-Prinzip: Netz-Optimierung vor Netz-Verstärkung vor Netz-Ausbau.

NOVA steht für Netz-Optimierung vor Netz-Verstärkung vor Netz-Ausbau. Laut diesem von den Übertragungsnetzbetreibern im Rahmen der Netzplanung anzuwendenden Prinzip hat Netzoptimierung Vorrang vor Netzverstärkung und hat Netzverstärkung Vorrang vor Netzausbau. Zu den Maßnahmen der Netzoptimierung zählen Änderungen der Netztopologie und des Leistungsflusses, die Spannungsumstellung von 220 auf 380 kV oder der witterungsabhängige Leitungsbetrieb mit dem Ziel, das bestehende Netz engpassfrei zu betreiben.

Zu den Maßnahmen der Netzverstärkung zählen der Austausch von Betriebsmitteln gegen leistungsstärkere Komponenten, die Erweiterung von bestehenden Umspannwerken und Schaltanlagen, zum Beispiel um zusätzliche Schaltfelder und/oder Sammelschienen, die Zu- und Umbeseilung von Stromkreisen sowie ein Neubau von Leitungen in bestehenden Trassen. Diese Maßnahmen werden in den Abbildungen des Netzentwicklungsplans (NEP) durch deckende blaue Flächen beziehungsweise Linien dargestellt.

Zu den Maßnahmen des Netzausbaus zählen der Neubau von Umspannwerken und Schaltanlagen oder Leitungen in neuen Trassen. Diese Maßnahmen werden in den Abbildungen des NEP durch schraffierte gelbe Flachen dargestellt. Der Zubau von Transformatoren, Blindleistungskompensationsanlagen oder wirkleistungssteuernden Betriebsmitteln in bestehenden Umspannwerken und Schaltanlagen wird durch schraffierte gelbe Flachen mit blauer Umrandung in den Karten eingetragen und als „Ausbau bestehender Anlagen“ bezeichnet.

Im Sinne des Energiewirtschaftsgesetzes hat TransnetBW als unabhängiges Unternehmen die Aufgabe eine möglichst sichere, preisgünstige, verbraucherfreundliche, effiziente und umweltverträgliche Stromversorgung zu gewährleisten. Vor diesem Hintergrund müssen die Stromnetze an die Herausforderungen der Zukunft angepasst werden. So wurde bereits im Jahr 2019 die Maßnahme über den Neubau der Schaltanlage Pulverdingen von der Bundesnetzagentur im Netzentwicklungsplan 2030 als einzelnes Projekt bestätigt. Dies wurde auch im Netzentwicklungsplan 2035 vom deutschen Bundestag so beschlossen. Der Netzentwicklungsplan stellt damit den Bedarf für die Maßnahmen am Umspannwerk Pulverdingen gesetzlich fest.